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Bericht der Push Taucher

EOL

Zu Beginn des Projekts bestand das Team der Pushtaucher aus 2 Mann, Max und Fabi: Bereits beim ersten Tauchgang gelang es uns innerhalb von 70 Minuten bis zum EOL in die Salle Chaotique zu tauchen. Lediglich das Finden der Fortführung 100m nach der Schweizer Glocke hat uns etwas Zeit gekostet, da wir in dem siltigen Bereich nicht auf Anhieb die Fortführung fanden. Erst nach einigem Suchen erschloss sich uns die Fortführung, welche vom Versturz aus senkrecht nach oben ging. Mit dem Erreichen der Salle Chaotique hatten wir mit dem ersten Tauchgang des zweiten Projektes bereits die Ergebnisse des vorangegangenen Projektes in der Castor (http://cavebase.de/index.php/de/projekte/2018/8-portfolio/166-source-du-castor-juni-2018)  deutlich übertroffen. Da wir jedoch nicht die benötigte Ausrüstung für einen Ausstieg dabei hatten, beließen wie es bei einem kurzen „Guckerle“ und machten uns auf den Rückweg. Den witterungsbedingten Abbruch des letzten Projekts vor Augen, wollten wir die vorherrschenden guten Bedingungen dieses Jahr unbedingt nutzen. Auf dem Weg zurück kam es noch zu einer kritischen Situation als sich der Propeller von Max‘s Scooter in einem losen Leinenende verhedderte. Dank des Proplock am Suex XK1 konnte Max den Scooter ohne viel Zeitverlust aus der Leine lösen und den Weg aus der Höhle fortsetzen. Hier zeigt sich deutlich, dass eine schlechte Leinenführung in der Höhle ein Sicherheitsrisiko darstellt. Das Team hatte im ersten Projekt angefangen das Leinenchaos in der Castor zu beheben, mussten sich aber im Anschluss an das Projekt rechtfertigen, weil wir (lose) Leine aus der Höhle entfernt hatten und damit Vermessungsarbeit anderer Taucher zerstört hätten. Deswegen mussten wir zum Erhalt der Tauchgenehmigung versprechen die Leinensituation so zu belassen wie wir sie vorfinden. Hier muss man sich schon fragen, ob das Leinenchaos, das sicher keinem mehr als Vermessungsleine dient, das Sicherheitsrisiko wert ist. Vor allem da es nicht das letzte Mal sein sollte, dass ein Teammitglied sich in losen Leinen verhedderte…

Mit übertroffenen Zielen, zurück an Land, starteten gleich die Vorbereitungen für den zweiten Tag. Nachdem uns im Vorfeld des Projekts Frank Vasseur nochmal bestätigt hatte, dass die Umgebungsluft in der Salle Chaotique toxisch ist, war die geplante Erkundung der Trockenpassage und die Suche nach einer Fortführung entsprechend herausfordernder. Neben dem Tauchequipment erfordert die vorherrschende Umgebungsluft zusätzliche Atemluft für die Erkundung. Aufgrund der hohen Anforderungen entschieden wir uns in der abendlichen Team-Vorbesprechung, Olli als dritten Taucher ins Push-Team dazu zu nehmen. Dies bedeutet zwar noch mehr Equipment nach hinten verbringen zu müssen, dafür wären aber zwei Personen vor Ort wenn einem Taucher an der Oberfläche etwas zustoßen sollte.

 

Die Entdeckung von Sump 2

Am zweiten Tag stand die Erkundung der Trockenpassage an. Ausgerüstet mit einem Schleifsack pro Taucher, über den in der Trockenpassage eine 40cft Sauerstoffflasche auf dem Rücken getragen werden konnte (zusätzlich wurden die Finis mit langen Schläuchen an der ersten Stufe befestigt, so dass jeder Taucher seinen Restdruck immer im Auge hatte) sowie einer ausziehbaren Leiter machten wir uns zu dritt auf den Weg in die Salle Chaotique, in der Hoffnung Regionen zu erkunden die bis dahin noch nie zuvor betreten wurden.
Nach einem unspektakulären und deutlichen kürzeren Tauchgang erreichten wir nach 45 Minuten die Salle Chaotique und begannen mit dem strapaziösen Ausstieg, der in den kommenden Tagen zur Regel werden sollten. Alles Equipment ablegen, nacheinander das Wasser verlassen und vom RB auf den OC Regler im Schleifsack wechseln. Ab jetzt tickte die Zeit. Wir hatten ausgerechnet, dass die 7l Flasche uns ca. 50 Minuten reichen sollte. Dabei galt es keine Bewegung zu schnell zu machen, um nicht in Lufthunger zu verfallen und womöglich, den Drang zu verspüren, den Regler aus dem Mund nehmen zu wollen. Ein Nachteil an OC Reglern ist, dass diese trotz Venturi und maximaler Luftlieferleistung bei großem Atemzugvolumen niemals eine freie Atmung ersetzen. Zusätzlich kommt die anstrengende Bewegung über die Felsbrocken hinzu und das Risiko, sich an spitzen Felsen und scharfe Kanten zu verletzen oder die Tauchanzüge zu beschädigen.
Aber die Mühe sollte belohnt werden! Wir schafften es die Felsbarriere zu überklettern und fanden einen Weg, um weiter in den Postsiphon vorzustoßen. Nach ca. 10min Klettern kamen wir an eine Kante hinter der sich der wunderschöne, sehr klare L-förmige S2 auftat. Wir schrien wie kleine Kinder: „ES GEHT WEITER!!“ Mit dieser Euphorie und noch immer großem Respekt unserer Umgebung gegenüber, bestaunten wir das klare Wasser von Sump 2.

 

Nachdem S2 tatsächlich gefunden wurde, hatten wir noch ausreichend Zeit um 4 Messpunkte anzulegen und die Salle Chaotique zu vermessen sowie über die mitgebrachten Gasanalyzer die vorhandene Luft zu analysieren: Diese bestand aus 14,7% Sauerstoff und über 5% CO2. Leider ging das Messgerät nur bis 5%, so dass davon auszugehen ist, dass der CO2 Gehalt darüber liegt und auf jeden Fall äußerst tödlich ist. Um nicht absolut fokussiert auf den Sump 2 zu sein und vielleicht noch weiterführende, nicht entdeckte, Gänge zu finden, schauten wir uns alle Wände und die Decke genau an. Bis auf einen kleinen nach Westen abgehenden Durchgang, der aus der grob Nord - Süd verlaufende Halle abging, konnten wir nichts finden. Da Olli zu diesem Durchgang am nächsten Stand, machte er auf sich aufmerksam und verschwand darin:
„Der Durchgang hatte einen kleinen Eingang, bei dem ich mich bücken musste, anschließend war rechts nach 2m ein totes Ende und 90grad nach links führte der Gang weiter, ich folgte diesem. Nach jeweils 90° rechts und links von je 10m Länge bei einem ansteigenden, felsig-sandigem Untergrund kam ich auch hier zu einem Ende. Hier befand ich mich in einem ca. 20m hohen Raum, der eine Fläche von 8x8m hatte. Wenn ich mir das Bild heute vor Augen halte und dazu noch den Salle de Chaotique mit seiner kirchenschiffartigen Form, erinnert mich dieser Teil an den Glockenturm des Salle de Chaotique.“
Mit dem Wissen, dass die Höhle in Sump 2 weiter geht, ging es zurück zum Team, um zu berichten und gemeinsam den dritten Tag für die Erstbetauchung vorzubereiten.

Erstbetauchung Sump 2

Bei der Planung zur Betauchung, des neu entdeckten Sump 2, entschieden wir das Push Team mit Steffen B., um einen vierten Taucher zu erweitern, so dass die Push Gruppe aus zwei Teams mit jeweils zwei Tauchern bestand. Team 1 – Max und Fabi – sollten die Erstbetauchung durchführen während Team 2 – Olli und Steffen B. – den Oberflächensupport in der Salle Chaotique sicherstellten. Während Team 1 mit den RBs die Trockenstelle überwinden sollte, um anschließend in Sump 2 zu tauchen, war die Aufgabe von Team 2 der Transport der Bailout-Flaschen für die Taucher.

Das Vortauchen bis zur Salle Chaotique war am dritten Tag schon fast zur Routine geworden. Steffen B und Olli verließen als erste das Wasser und fingen zügig an Ihren Aufgaben als Support nachzukommen: Aufstellen der Leiter für einen einfachen Ein- und Ausstieg der Pushtaucher, Transport der Bailout-Flaschen und Sicherung der beiden Taucher die mit schwerem RB die Trockenpassage überwinden müssen. Das Atmen aus dem Atemregler, die warme Luft in der Trockenpassage sowie die dicken Trockenanzüge, ausgelegt für kaltes Wasser, fordern Alles von den beiden ab. Aber für eine mögliche Erstbetauchung von Sump 2, nehmen die beiden die Strapazen gerne in Kauf.
Dem Support folgten Max und Fabi auf dem anstrengenden Weg Richtung Sump 2.
Max stieg als erstes in Sump 2 ab. Aufgrund der hohen Anstrengung entschieden wir uns, dass Fabi kurz warten sollte, Max sich einen Überblick in Sump 2 verschafft und nur den sehr anstrengenden Weg auf sich nimmt, wenn Sump 2 das notwendige Potential aufweist. Während Fabi auf das Go von Max wartete, gingen Olli und Steffen B zurück zu Ihren RBs, um dort im Loop auf das erste Team zu warten und das Atemgas in den vorhandenen Tauchflaschen nicht unnötig zu verschwenden.


Im S2 angekommen beschreibt Max das Erlebte wie folgt:

„Man taucht in dem L-förmigen Pool ab und es geht nach ca 15m in 7m Tiefe ein Gang nach rechts der immer weiter ansteigt und zur Oberfläche führt. Die Wand und der Boden sind hier sehr glatt und ich musste aus dem Wasser steigen, um den Tief off befestigen zu können. Ich tauchte zurück in die Verteilerhalle und tauchte den Gang nach links weg, dieser fiel erst auf 10m ab und stieg dann langsam wieder an, dieser längere Gang führt auch wieder zu Oberfläche und endet in einem kleinen See, in dem man stehen kann. Ich befestigte den Tie off an einem Felsen am Grund und lief alle Ecken des Sees ab. Hier hörte man ganz klares Wasserrauschen. In einer Spalte am Ende schien es großräumig weiter zu gehen. Vielleicht kommt hier noch ein S3. Die Spalte geht senkrecht nach oben und ist nur schwer zu erklettern. Das Gas ist hier dasselbe wie im Postsiphon nach S1. Ich machte mich auf den Rückweg und entdeckte eine einzelnstehende Säule mit einem Gang dahinter. Ich befestigte erneut mein Reel und folgte dem Gang bis ich wieder auf meine eigene Leine stieß. Ich war also einen Loop getaucht. Wegen der Form des Siphons haben wir den Sump „Donut Sump“ getauft.“

Kurze Zeit nach dem Auftauchen von Max waren Max und Fabi zurück bei Olli und Steffen B. Angekommen verkündete Max dem Support mit strahlendem Gesicht: „Der Hammer, über 100m neue Caveline verlegt. Aber leider geht es auf den ersten Blick nicht wirklich weiter.“

Mit der erfolgreichen Erstbetauchung des Donut Sumps machten wir uns zurück zum Rest des Teams, um den Erfolg zu feiern und den letzten Tauchtag vorzubereiten. Denn auch wenn uns die Erstbetauchung geglückt ist, hatten wir es nicht geschafft den Sump zu dokumentieren. Zudem wollten wir auch in den weiteren Auftauchstellen von Sump 2 Luftmessungen durchführen und nochmal systematisch nach einer möglichen Fortführung suchen.

 

Die Zweitbetauchung des Donut Sumps (Sump 2)

Für die Zweitbetauchung des Donut Sumps entschieden wir, dass wir die Rolle der beiden zweier Teams tauschen und so Steffen B. und Olli die Möglichkeit zum Tauchen haben. Jedoch riss beim Anziehen die Armmanschette von Fabis Anzug, sodass er aufgrund von fehlendem Ersatz für den Tauchgang ausfiel. Deswegen entschieden wir, ähnlich wie gestern, mit nur einem Taucher, Olli, den kurzen Donut Sump 2 zu betauchen während Max und Steffen den Oberflächensupport zwischen den beiden Sumps sicherstellten.

So machten wir uns zu dritt auf den Weg zum Donut Sump. Gewöhnt an den Höhlenverlauf erreichten wir zu dritt bereits nach 30 Minuten die Salle Chaotique. Nachdem wir mittlerweile eingespielt waren, verlief die Vorbereitung wie am Schnürchen und jeder folgte seinen vordefinierten Aufgaben. Olli, der heutige Pushtaucher, beschrieb seinen den Tauchgang ab dem Auftauchen in der Salle Chaotique wie folgt:

„Nicht ein Wort fiel. Steffen machte sein SCOBA (Self Contained Overwater Breathing Aparatus) fertig, legte es an, sicherte mir die Leiter und kletterte mit mir über die Versturzblöcke zum Siphon 2. Oben stehend entspannten wir erstmal. Auf dem Loop des Rebreathers war es eine ganz neue Erfahrung so entspannt im toxischen Bereich atmen zu können. Ich überprüfte nochmals mein Filmequipment auf Funktion. Ich bekam extra zur obligatorischen Paralenz eine mit Licht und Arm ausgestattete GoPro mit. So gab es quasi eine Backup Videographie des Donut Sumps. Steffen und ich sahen uns an, standen auf und ich kletterte die, durch Steffen gesicherte, Leiter hinab. Im Pool legte ich die Bailoutstage an, checkte nochmal alles gründlich und gab Steffen das OK Zeichen. Die Spannung, auf das was mich erwartete, wurde nur durch meine noch stärkere Konzentration beruhigt. Nachdem ich die GoPro angeschaltet hatte ging es langsam los. Ich genoss jeden Flossenschlag in das neue Unbekannte. Wie sagte ein bekannter Pushtaucher mal: „Das Wasser ist crystal clear!“

Ich folgte der Hauptleine nach rechts in den westlichen Gang des Donut Sumps und fand einen ca. 3m breiten und 2m hohen Gang vor und eine Hauptleine, die in der ganzen Castor ihres Gleichen suchte. Diese war so straff, dass sie beim Spannen und Loslassen nachschwingte. Saubere Arbeit des ausleinenden Erstbetauchers! Nach ca. 10 min sah ich links den Quergang und die Line, die als T an der Hauptleine befestigt war. Um für die nachfolgenden Taucher ein klares Bild zu verschaffen, nahm ich zusätzlich noch Arrows und Cookies mit. Dazu befestigte ich vor dem T einen Arrow an der Hauptleine. Beim Setzen hatte ich meine Probleme, da die Hauptleine so unglaublich gespannt war. Anschließend setzte ich den Weg entlang der Hauptleine weiter zum EOL fort. Eine Schräge führte zum westlichen Ende vom Donut Sump. Dort legte ich Flossen und Bailoutstage ab, setzte einen Team Cookie an der EOL und holte die Messinstrumente hervor. Aufgrund des Solo Tauchgangs vernachlässigte ich das Ermitteln der Entfernungen. Sitzend überprüfte ich O2 und CO2 Gehalt der Luft. Auch hier wieder unter 15% O2 und >5% CO2. Nachdem ich alles wieder verpackt hatte, erkundete ich den Trockenbereich so gut es ging. Lehm am Boden zog mir die Rockboots aus. Des Weiteren fielen mir die Geräusche ein rauschender Wasserfall auf. Leider war dieser nur sehr schwierig zu orten.

Ich legte Flossen und Bailoutstage an und tauchte durch das beeindruckende klare Wasser am T nach rechts durch den Quergang. Immer wieder suchte ich nach weiterführenden Gängen, die aber entweder komplett oder in nicht überwindbaren Restrictions in alle Himmelsrichtungen endeten. An der Säule, am Ende der Leine des Querganges, sah ich bereits den östlich verlaufenden Gang des 2. Siphons. Ich setzte ein Arrow an der Leine des östlichen Ganges in Richtung Ausgang im Norden, um den Jump zu signalisieren. Anschließend bog ich nach rechts zur „EOL Ost“ ab. Auch hier setzte ich den Team Cookie, maß die Luftwerte und erkundete im Rahmen meiner Möglichkeiten diesen Trockenteil. Immer auf der Suche nach weiterführenden Gängen und vielleicht irgendwann Sump 3. Es fielen mir wieder die Geräusche des nicht zu ortenden Wasserfalls auf, nur jetzt deutlich leiser. Vermutlich gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Trockenteilen OST und WEST am Ende des Donut Sumps. Leider wurde meine Neugier nicht belohnt und ich setzte meinen Tauchgang im östlichen Gang fort. Mehrere kleine abgehende Gänge weckten mein Interesse, jedoch ohne weiterführende Möglichkeiten. Als ich zum Anfang des östlichen Ganges kam, erkannte ich auch hier einen Jump, da die Line nicht mit der Hauptleine verbunden war. Im Augenwinkel sah ich, dass bereits Max oberhalb der Leiter auf mich wartete. Perfektes Timing! :-) Ich setzte noch kurz einen Arrow nach rechts zeigend auf die Hauptleine und folgte diesem in Richtung Max.

Beim Auftauchen gab ich ihm freudestrahlend das OK Zeichen, er kletterte zu mir runter und wir klatschten für den Erfolg des ganzen Teams ab! Ich half ihm die Bailoutstage in den Schleifsack zu packen und wir machten uns ein letztes Mal auf den Rückweg durch die Salle Chaotique über die großen Versturzfelsen.“

Wieder zu dritt im Sump 1 vereint, sammelten wir unser mitgebrachtes Equipment auf und machten uns auf den Weg zurück zum Rest des Teams, um die Entdeckung und Dokumentation des Donut Sumps zu feiern!

Alle Informationen zur Source du Castor und die detaillierte Beschreibung der Salle Chaotique sowie von Sump 2 haben wir in folgendem Artikel zusammengefasst: Hier klicken!

 

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